Erfahrungsbericht Auswahltagung Hanns-Seidel-Stiftung

Dies ist ein Erfahrungsbericht eines Bewerbers über den Auswahlprozess bei der Hanns-Seidel-Stiftung.

Die Hanns-Seidel-Stiftung ist bei ihren Bewerbungsanforderungen recht ähnlich zur Konrad-Adenauer-Stiftung, allerdings wesentlich unbekannter. Sie ist die CSU-nahe Stiftung unter den politischen Stiftungen, aber eins vorweg: Man muss weder aus Bayern kommen, um ein Stipendium der HSS zu erhalten, noch muss man in der CSU sein.

Die Bewerbungsfristen sind immer der 15. Juli und der 15. Januar eines jeden Jahres.

Die Bewerbung bei der HSS ist etwas bürokratisch, was aber bereits sehr wichtig ist, denn nur wer die Bewerbungsunterlagen richtig und akribisch vorbereitet, zeigt bereits, dass er oder sie über entsprechende Fähigkeiten verfügt. Ich nehme an, dass es durchaus Absicht ist, die Bewerbung etwas komplizierter zu gestalten, damit die schwächeren Bewerber in einem ersten Schritt allein hierüber aussortiert werden können.

Die einzureichenden Unterlagen müssen in vier kompletten Sätzen vorliegen, ein kompletter Satz mit den Originalen und drei kopierte Sätze davon. Das ist durchaus viel, ist aber auch nicht unüblich für eine solche Bewerbung. Die Bewerbungsunterlagen bestehen aus dem ausgefüllten Bewerbungsformular, den typischen Nachweisen wie das Abizeugnis oder Hochschulzeugnisse, sowie einem tabellarischen Lebenslauf. Was dann das richtig Besondere ist, ist dass die HSS auch einen ausformulierten Lebenslauf erwartet, welcher handschriftlich angefertigt werden muss. Dies ist soweit es mir bekannt ist bei den anderen Stiftungen nicht der Fall, aber letztlich auch wieder ein Mittel, um die Bewerber auf Gewissenhaftigkeit zu überprüfen. So nehme ich das zumindest an. Aber auch hier keine Sorge, es geht nicht darum, dass eine schöne Handschrift erwartet wird. Nur die Hürde „handschriftlich“ verlangt eben mehr ab, als am PC geschrieben.
Zu diesen allgemein typischen Unterlagen benötigt man dann noch einen ausführlichen Aufsatz über die Studienziele, sowie den später geplanten Berufsweg und die damit verbundenen Karriereziele. Ebenso gilt es, wie auch bei der Konrad-Adenauer-Stiftung, zwei verschiedene Gutachten einzureichen. Einerseits ein Hochschullehrergutachten, welches Aussagen über die Noten und das Leistungsvermögen des Bewerbers gibt, andererseits ein Persönlichkeitsgutachten, welches sich mit dem gesellschaftlichen oder politischen Engagement des Bewerbers befasst. Das Hochschullehrergutachten kann auch von einem ehemaligen Lehrer am Gymnasium geschrieben werden, falls man sich vor oder im ersten Semester bewirbt und noch gar keinen Bezug zu den Professoren an der Uni hat. Beim Persönlichkeitsgutachten greift man am besten auf eine Person zurück, die eine gewisse gesellschaftliche Stellung innehat, um zu zeigen, dass diese Person verlässlich und selbst engagiert ist. Engagiert man sich im Verein bietet sich hier der Vereinsvorstand an, in der Kirche der Pfarrer oder in der Partei ein Stadtrat oder gar Abgeordneter. Die Möglichkeiten sind vielfältig und wer sich engagiert, wird auch jemanden finden, der das gut machen kann.

Die beiden Gutachten werden dann nur einmal in einem verschlossenen Umschlag zum Originaldokumentensatz beigefügt.

Sehr wichtig wäre es zu beachten, dass die HSS ein Richtlinienblatt für diese Gutachten zur Verfügung stellt, welches man den Gutachtern auch geben sollte, damit sie wissen, wie sie das Gutachten am besten gestalten können. Gerade beim Persönlichkeitsgutachten bietet es sich zudem an, mit dem Gutachter vorab zu besprechen, worauf vielleicht ein Augenmerk gelegt werden sollte. Hier wäre es am sinnvollsten sich mit den Werten der HSS auseinanderzusetzen und zu versuchen im Gutachten entsprechende Eckpunkte damit in Einklang zu bringen.
Hat man diese Hürden alle hinter sich gebracht, sollten dann alle Unterlagen in einem unbiegsamen Briefumschlag via Einschreiben zusammen mit einem Rückschein zur Hanns-Seidel-Stiftung nach München geschickt werden.
Nachdem die HSS alle Bewerberunterlagen erhalten hat und der Stichtag vorbei ist, werden die Unterlagen mehrfach durchgesehen und es wird entschieden, welcher Bewerber zur HSS passt und welcher nicht. Hierbei sticht eher weniger ein Merkmal dann besonders hervor, sondern muss die gesamte Bewerbung überzeugen. Super Noten allein reichen nicht, wenn das Engagement nicht da ist und wenn man sich viel engagiert, aber ein 3,? Abitur hat, dann wird es auch eher nichts.
Wenn sich die Stiftung auf die besten Bewerber festgelegt hat, wollen sie wissen, ob die Bewerber wirklich so gut zur Hanns-Seidel-Stiftung passen, oder ob der ein oder andere doch nicht ganz authentisch in seiner Bewerbung war. Deshalb lädt die Stiftung dann für gewöhnlich an einem Samstag im März bzw. September die vorab ausgewählten Bewerber nach München in die Stiftung ein. Ähnlich wie bei anderen politischen Stiftungen geht es dann nach einer kurzen Begrüßung auch gleich richtig los. Die erste große Aufgabe ist das Verfassen eines Aufsatzes zu einem aktuellen gesellschaftspolitischen Thema. Im Moment wäre da sicherlich CETA/TTIP oder die Flüchtlingskrise ein gern gesehenes Thema.

Da es um Aktualität geht, sollte man sich vor dem Auswahltag auf jeden Fall umfassend in den Nachrichten über alles, was gerade so passiert, informieren und sich entsprechend auch eine eigene Meinung und ein Urteil dazu bilden. Denn schließlich kommt es im Aufsatz nicht nur darauf an zu argumentieren, sondern spielt es auch eine Rolle einen Standpunkt einnehmen zu können. Wer nun Angst hat, dass er vielleicht eine andere Wertung vornimmt, als die HSS gerne hat. Das spielt keine Rolle, da der Standpunkt nicht auf seine Richtigkeit geprüft wird. Vielmehr geht es darum, ob die eigene Meinung unterfüttert werden kann und gut begründet wurde. Also steht auch ein bisschen die technische Umsetzung im Vordergrund. Wer gar keinen eigenen Standpunkt entwickelt, kann auch nichts untermauern.

Mit Abgabe des Aufsatzes sollte man nicht unbedingt vergessen, was man eigentlich geschrieben hat, da es durchaus möglich ist, dass im Einzelgespräch nochmal hierzu Stellung bezogen werden muss.

Nach dieser ersten Runde gibt es erst einmal eine kleine Pause und ein Mittagessen zusammen mit den anderen Bewerbern. Hierbei kann man sich einerseits ein bisschen erholen und andererseits auch ein wenig die anderen Bewerber kennen lernen. Denn das ist sicher, da alle bei der HSS eingeladen wurden, gibt es viele Gemeinsamkeiten und man findet da wirklich schnell nette Leute. Damit sollte man sich aber dann auch wieder nicht zu sehr aufhalten, denn nach dem Essen geht es gleich an die nächste Auswahlaufgabe: eine Diskussion.

Diese dauert etwa 20-30 Minuten und man diskutiert dabei mit anderen Bewerbern. Damit alle einen ähnlichen Stand haben und keiner bevorteilt oder benachteiligt wird, darf man sich in das vorgegebene Thema kurz einlesen und sich seine Diskussionsargumente und eine Strategie zurechtlegen, bevor es richtig losgeht.

Ich denke, es ist zwar bekannt, aber der Vollständigkeit halber soll hier auch erwähnt sein, dass es wie bei jeder Gruppenaufgabe in Assessement Centern darum geht, nicht der Leitwolf zu sein, der alle unter den Tisch redet und niemanden zu Wort kommen lässt, man aber auch nicht einfach still dasitzt und die anderen machen lässt. Am besten bleibt man authentisch, bindet sich mit ein, nimmt Stellung zu dem Thema und antwortet auch reflexiv auf die Aussagen der anderen Diskutierenden. Auf diese Art zeigt man, dass man einen Standpunkt vertreten kann, den anderen zuhört und auf deren Argumente eingehen kann. Wer das Gespräch nur mit sich selbst führen möchte, wird sehr schlechte Karten haben als Stipendiat genommen zu werden. Denn so jemanden will man bei der Stiftung nicht dabei haben.

Nach dieser Diskussion und einer weiteren kleinen Pause gibt es zum Schluss noch ein Einzelgespräch mit einer Prüferkommission, die aus drei Personen besteht. Diese Prüfer sind meistens ehemalige HSS-Stipendiaten, die heutzutage Unternehmen führen oder Professoren sind oder auch einfach Mitarbeiter in der Stiftung.

Ein solches Gespräch kann absolut unterschiedlich ablaufen. Die einen legen den Fokus auf die Bewerbungsunterlagen, sprechen über den Lebenslauf und das jeweilige Engagement, die anderen nehmen die Themen des Aufsatzes und der Diskussion wieder auf und man spricht über die Performance des Bewerbers. Ich habe gehört, dass manche Prüfer auch nochmals einen kleinen Wissenstest abhalten und aktuelle Themen abfragen oder wissen wollen, wer der erste Bundeskanzler war (und Dinge dieser Art), bei mir gab es da aber kein Abfragen mehr, sondern ging es um meinen Lebenslauf, meine Studienwahl und mein Engagement.

Anders als die Erfahrungen einiger Bekannter, die bei der Konrad-Adenauer-Stiftung sind, empfand ich das Gespräch dennoch nicht als eine nette Unterhaltung, sondern durchaus als ein ständiges Frage-Antwort-Spiel. Aber das kann natürlich auch von Gespräch zu Gespräch sehr unterschiedlich sein.
Ich kann nicht genau sagen, welche der drei Auswahlrunden die wichtigste zu sein scheint. Meinem persönlichen Gefühl nach wird der Diskussion sehr viel beigemessen, sowie auch dem Gespräch. Andere sagen, dass alle drei Teile eine gleiche Gewichtung erfahren.

Ich glaube letztlich wird man nur zum Auswahltag eingeladen, wenn man die Stiftung bereits ein bisschen von sich überzeugt hat und dann muss man sich unter Beweis stellen. Macht man das in allen drei Runden sollte es keine Probleme geben. Läuft es hier oder da vielleicht nicht so gut wird das Einzelgespräch sicherlich sehr entscheidend sein, da es eigentlich ja auch um die Eignung und Persönlichkeit der Bewerber geht und dieses Gespräch dafür wahrscheinlich die besten Erkenntnisse hervorbringt.

Nach dem man alle drei Auswahlrunden hinter sich gebracht hat, fährt man mit einem nichtssagenden Gefühl nach Hause und weiß nicht so recht, ob man nun genommen wurde oder nicht. Meistens dauert es dann zwei bis vier Wochen bis zu einer Information darüber. Wer einen Anruf der HSS erhält kann sich über eine Zusage freuen, Post der Stiftung bedeutet meistens eine Absage.

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