Erfahrungsbericht: Auswahl der Konrad Adenauer Stiftung

Dies ist ein Erfahrungsbericht von Philipp Dürr, Student der Geschichte & Politikwissenschaften/Wirtschaftswissenschaften an der Uni Tübingen & Stipendiat der KAS.

Die schriftliche Bewerbung

Der erste große Schritt des Auswahlverfahrens der KAS ist die schriftliche Bewerbung, welche sehr umfangreich ist. Zunächst wird ein ausgeschriebener Lebenslauf verlangt, welchem entsprechend das Abizeugnis, ein Hochschullehrergutachten und ein Persönlichkeitsgutachten einer Person des öffentlichen Lebens beigefügt werden müssen.

Der Lebenslauf dient hierbei mitunter auch als Motivationsschreiben, da man in ausformulierter Form mehr zu seinem bisherigen Werdegang sagen kann, als in tabellarischer Aneinanderreihung. Das Abizeugnis spricht natürlich für sich, wobei man hier auch nicht unbedingt nur 1er Noten benötigt, da der Begriff „überdurchschnittliche Leistungen“ sehr variabel zu besetzen ist und Noten allein nicht das Kriterium sind.

Das Hochschullehrergutachten wurde in meinem Fall durch einen Lehrer meiner Schule ausgefüllt, da ich mich im ersten Semester beworben habe und noch keinen Hochschullehrer kannte. Dies ist auch absolut erlaubt und in Ordnung.

Das Persönlichkeitsgutachten nimmt einen sehr hohen Stellenwert ein, da hier die Persönlichkeit in Hinblick auf das soziale und gesellschaftliche Engagement beleuchtet wird. In meinem Fall wurde dies von einem CDU-Bundestagsabgeordnetem, welchem ich wegen meiner Parteiarbeit nahestehe, angefertigt. Bei anderen sind es aber auch die Vorsitzenden des Sportvereins, der Pfarrer, welcher einen durch die kirchliche Jugendarbeit kennt oder der Pfadfinderleiter. Die Möglichkeiten sind groß und es muss bei Weitem kein Politiker sein.

Deshalb will ich auch betonen, dass es für eine erfolgreiche Bewerbung bei der KAS auch keine Mitgliedschaft in der Jungen Union oder CDU braucht und man nicht über politisches Vitamin B in die Stiftung kommt. Denn diese ist unabhängig von der CDU. Einzig und allein die Werte der Partei sollte man teilen können – wenn auch nicht zu hundert Prozent. Aber ein politisches Engagement ist bei der KAS nicht entscheidend, denn jedes Engagement für die Gesellschaft ist hier gern gesehen und wird auch anerkannt.

Vorbereitung auf die Auswahltagung

Wenn man mit seiner Bewerbung bei der KAS überzeugen konnte, wird man zu einer zweitägigen Auswahltagung eingeladen. Hiervon finden pro Semester bis zu vier Stück statt, auf denen rund 100-120 Bewerber getestet werden. Vorab bekommt man einen Fragebogen zugesandt, welcher vor allem Fragen rund um die eigene Person, Persönlichkeit, dem Engagement und solcherlei Dingen abfragt. Dieser dient einerseits dazu, um zu überprüfen wie authentisch die Bewerber im Einklang mit ihrem Lebenslauf sind, zum anderen kann sich die Auswahlkommission aufgrund dieses Fragebogens dann auch auf das Einzelgespräch bei der Auswahltagung vorbereiten, weil sie einen dann entsprechend schon kennen.

Sonst habe ich versucht mich über das aktuelle Tagesgeschehen zu informieren und habe mich nochmals intensiv mit der Geschichte der BRD und der CDU inklusive des Lebenslaufs von Konrad Adenauer auseinandergesetzt. Das aber recht vergeblich, worauf ich aber noch zu sprechen komme.

Die Auswahltagung

Meine Auswahltagung fand auf einem Schloss statt, welches der KAS gehörte. Alle Bewerber mit einer sehr weiten Anreise wurden bereits am Donnerstag erwartet, damit jeder ähnlich fit in die beiden Auswahltage Freitag und Samstag gehen konnte.

Hier waren außer mir rund 25 weitere Personen und man hat sich am Donnerstagabend schon kennen lernen können und sich über die Gerüchte des Auswahlverfahrens ausgetauscht. Da gab es dann Gerüchte darüber, dass man alle Bundeskanzler und –präsidenten mit Partei und Amtszeit auflisten können muss oder den genauen Lebenslauf von Konrad Adenauer nachzeichnen muss. Das ist – wie ich dann schnell gemerkt habe – allerdings vollkommener Blödsinn, da solches Wissen überhaupt nicht verlangt wird. Stattdessen geht es um viele andere Dinge.

Nach einer kurzen Begrüßung am Freitagvormittag ging es dann sehr schnell in den ersten Teil der Auswahl über. Hierbei handelte es sich um eine Art Klausur, die glaube ich eine Stunde gedauert hatte. Dabei gab es rund 15 Fragen zu den verschiedensten wissenschaftlichen Gebieten. Einerseits musste man eine kurze Stelle aus Kennedys „Ich bin ein Berliner“ Rede interpretieren, sich dann mit einem kleinen literarischen Werk auseinandersetzen oder zwei Fragen zur deutschen Geschichte beantworten. Dazu kamen allerdings ebenso spezifische Fragen zu Naturwissenschaften, in meinem Fall zum Beispiel die Frage was Nanotechnologie bedeutet und wo diese eingesetzt wird. Die letzten Fragen des Tests waren dann rund um das aktuelle Geschehen, welches man durch bloßes Nachrichtengucken gut beantworten kann, aufgebaut.

Nach dem Test ging es dann auch in die Vorbereitung einer Gruppendiskussion über. Hierzu wurden Gruppen mit jeweils acht Bewerbern gebildet, die einer Auswahlkommission zugeteilt waren, welche aus drei Prüfern bestand. Die Gruppen wurden dabei nach Fachrichtungen aufgeteilt, zum Beispiel Juristen miteinander, BWLer oder Geisteswissenschaftler etc. Dies sollte ein ähnliches Hintergrundwissen für die folgende Diskussion sichern.

Als Vorbereitung für die Diskussion haben wir eine Mappe mit vielen verschiedenen Zeitungsartikeln erhalten, welche sich mit unserem Thema „Israel und der Iran – darf man das iranische Atomprogramm präventiv bekämpfen?“ auseinandersetzten. Dann wurden wir in den Diskussionsraum geführt und hatten insgesamt eine Stunde Zeit, um uns auf die Gruppendiskussion vorzubereiten. Es war sinnvoll ein solches Thema zu wählen, in dem keiner einen klaren Vorteil hatte und jeder durch die Informationsmappe die Möglichkeit hatte einen Überblick über das Thema zu erhalten. In früheren Jahren gab es diese Infos wohl nicht und so hatte derjenige Pech, der über das Diskussionsthema eigentlich nicht Bescheid wusste.

Die Vorbereitungszeit genügte keineswegs, um alle Materialien in der Mappe zu lesen und sich mit den anderen abzusprechen, deshalb musste man sich schnell einen Überblick verschaffen. Für die Diskussion haben wir uns dann letztlich als Gruppe aufgeteilt und die einen nahmen eher die Position Israels, die anderen die des Irans ein.

Nach der Vorbereitung kam dann die Auswahlkommission in den Raum und stellte sich uns vor. Diese drei Prüferinnen waren alle ebenso Geisteswissenschaftler und deswegen entsprechend sinnvoll zugeordnet. Nach einer kurzen Vorstellung begann dann für uns die einstündige Diskussion, in welcher sich die Prüferinnen immer wieder einschalteten und Rückfragen oder auch Verständnisfragen stellten.

In der Diskussion selbst ist es sehr wichtig, dass man einerseits authentisch bleibt und man andererseits ein gutes Mittelmaß zwischen persönlichem Auftreten und Respekt gegenüber den anderen findet. Ebenso sollte man auf die Beiträge der anderen reagieren und sich auf diese rückbeziehen, anstatt einfach mit Thema B weitermachen, während der Vorredner über Thema A gesprochen hatte. Ich würde sagen, dass die Diskussion der wichtigste Part der Auswahltagung ist und man hier am meisten gewinnen und verlieren kann. Wenn man aber gut auftritt, die anderen zu Wort kommen lässt, selbst sinnvolle Beiträge formuliert und dann entsprechend die Wortmeldung der anderen mit den eigenen verknüpfen kann etc. kommt man dem Stipendium einen großen Schritt näher.

In unserem Fall lief die Diskussion wirklich sehr gut und fast alle konnten zeigen, dass sie nicht ohne Grund zur Auswahltagung eingeladen wurden.

Mit der Diskussion war dann auch der Freitag beendet und man hatte den Abend Zeit, um die anderen Bewerber besser kennen zu lernen. Dabei ist eines sicher, man begegnet dort vielen Leuten, die alle wirklich auf verschiedene Weisen klug und talentiert, sowie engagiert sind. Doch muss man sich von dem was die anderen können definitiv nicht einschüchtern lassen. Manche Bewerber prahlen auch entsprechend mit allem, was sie so können, doch dann muss man sie eben machen lassen, ohne dass man selbst in Panik verfällt. Es gibt nämlich eine recht eine Regel, wer bei der Auswahltagung landet, hat die Stiftung bereits in gewissem Maß überzeugt und es geht darum herauszufinden, ob man wirklich voll dazu passt. Man muss sich also nicht vor dem Talent und Wissen der anderen fürchten, da man nur vor Ort ist, wenn man selbst wirklich reelle Chancen hat.

Am Samstagmorgen stand dann das 30-minütige Einzelgespräch auf dem Plan. Hierzu wurde man wieder in den Gruppenraum vom Vorabend gebeten und unterhielt sich dann allein mit der dreiköpfigen Auswahlkommission.

Dieses Gespräch kann absolut verschieden ablaufen. Bei den einen wird nachgehakt, warum im Test dies und das nicht gewusst wurde, bei den anderen spielt nochmals die Diskussion eine große Rolle. In meinem Fall ging es weder um das eine noch um das andere. Stattdessen sprachen wir in einem wirklich sehr lockeren und auch angenehmen Gespräch über meinen vorab ausgefüllten Fragebogen, in welchem ich meine Hobbies und mein Engagement geschildert hatte.

Wie gesagt war dieses Gespräch wirklich locker und meine Anspannung wich sehr schnell, da man sich einfach nur normal unterhalten hatte und es keine Prüfungssituation mit Wissensabfragen oder Ähnlichem war.

Nachdem dieses Gespräch beendet war, konnte man individuell vom Tagungsort abreisen und ab da ungefähr vier Wochen auf eine Nachricht der KAS warten.

In meinem Fall bekam ich den freudigen Anruf mit der Zusage bereits nach gut einer Woche, was aber nicht die Regel ist, sondern nur damit zu tun hatte, dass der zuständige Referent gerade an meinem Studienort war und ich so die Möglichkeit hatte ihn gleich zu treffen.

Letztlich lohnt sich eine Bewerbung auf jeden Fall, weil man bei der Auswahltagung viel mitnimmt und auf jeden Fall auch echt tolle Leute kennenlernt, zu denen ich bis heute noch Kontakt habe.

Und von der Tatsache, dass es sich um eine politische Stiftung handelt, muss man sich auch als Nicht-Parteimitglied auf keinen Fall abhalten lassen.

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